Montag, 28. Dezember 2020

Erdenleben Augenblick in der Ewigkeit.... Leiden und Freuden....



Bertha Dudde, Offenbarung Nr. 3379, erhalten durch das Innere Wort am 25.12.1944

Erdenleben Augenblick in der Ewigkeit.... Leiden 

Das Erdenleben ist nur von kurzer Dauer, selbst wenn der Mensch ein hohes Alter erreicht, denn es ist eine Phase in der Ewigkeit, die wie ein Augenblick gewertet werden kann. Und alles, was der Mensch an Freuden und Leiden zu durchleben hat, geht wie ein flüchtiger Moment vorüber und lässet immer nur die Erinnerung zurück. Doch auswirken kann sich jeder Moment für die ganze Ewigkeit.... Gott aber hat eines jeden Menschen Schicksal wohl bedacht, und Seine Liebe hat es gestaltet. Daher wird nichts sinn- und zwecklos sein, was auch der Mensch durchleben muß; es wird der Seele zum Heil gereichen, sowie er sich ganz der göttlichen Führung überläßt und, ohne zu murren, sich in sein Schicksal fügt. Gott will die völlige Unterwerfung des Menschen erreichen, weil Er dann erst ganz in ihm wirken kann; Er fordert völlige Hingabe an Sich, um die Seele des Menschen durchfluten zu können mit Seiner Liebe.... Und darum muß sein Herz jegliches Verlangen aufgeben, das nicht Ihm gilt.... Das Erdenleben ist kurz und muß ausgewertet werden, es muß genützet werden zum gänzlichen Zusammenschluß mit Gott, und es geht jeder Tag verloren, wo irdische Ziele das Menschenherz bewegen. Und darum nimmt Gott oft den Menschen, was sie von selbst nicht hingeben wollen, um Sich Selbst ihnen dann darzubieten als Ersatz dessen, was sie aufgeben müssen. Und es ist der Mensch dann wahrlich nicht im Nachteil, er tauschet etwas Geringes gegen etwas Kostbares ein, und er wird überaus selig sein, so er einst erkennt, wie liebevoll Gottes Führung war, die ihm zur ewigen Seligkeit verhelfen wollte. Denn das ist Seine Liebe und Gnade, daß Er Seine Weisheit walten lässet, weil Er erkennt, was der menschlichen Seele von Nutzen ist und was ihr schaden könnte auf ewig. Er hält Seine schützende Hand über Seine Kinder, die Ihn anstreben und in Gefahr sind, sich Ihm zu entfremden, weil die Welt mit allen Lockungen an sie herantritt.... Doch es soll der Mensch voll vertrauend sich der göttlichen Führung überlassen, er soll wissen, daß Seine Liebe den Erdenlauf bestimmt hat und daß er Ihm dereinst dankbar sein wird, wenn die kurze Erdenzeit vorüber ist, die nur ein Augenblick ist in der Ewigkeit....

Amen

Sonntag, 27. Dezember 2020

Kraft des Gebetes ....



Bertha Dudde, Offenbarung Nr. 2919, erhalten durch das Innere Wort am 11.10.1943

Kraft des Gebetes

Wollet ihr die Erdenlebensprobe bestehen, so nehmet Anteil an allen Nöten und Sorgen eurer Mitmenschen, und verharret im Gebet.... d.h., fordert stets und ständig die Kraft an von oben, ohne die ihr unfähig seid, auch nur das Kleinste zu vollbringen zum Wohlgefallen Gottes.... denn ihr seid schwache Geschöpfe, solange euch die Seelenreife mangelt, ihr verfüget nicht über eigene Kraft, sondern ihr müsset sie erbitten von Gott, Der sie euch wohl anfänglich zugedacht hat, euch aber auch nicht hinderte, als ihr euch selbst dieser Kraft beraubtet. Ihr habt ein Geschenk zurückgewiesen, das euch überaus selig machte, und müsset nun ringen darum, dieses Geschenk wieder zu erhalten. Und darum müsset ihr beten und die Liebe üben, und beides trägt euch Kraft ein, je nach der Innigkeit eures Gebetes und der Tiefe und Uneigennützigkeit eurer Liebe zum Nächsten. Lasset ihr dieses außer acht, so ist euer Ringen auf Erden unsagbar schwer, so ihr nach oben verlangt, oder euch wird die Kraft von dem Gegner Gottes zugeführt, die euch nun zwar ein leichteres Erdenleben einträgt, aber nimmermehr zur Höhe führen kann, sondern unweigerlich dem Abgrund entgegentreibt. Nützet die Kraft des Gebetes.... Bleibet dadurch Gott-verbunden, und öffnet euch Seiner Kraftausstrahlung. Es ist dies von so großer Wichtigkeit und wird doch von den Menschen so wenig erkannt und befolgt. Nur geistige Güter sollt ihr erbitten; die Kraft aus Gott aber ist geistiges Gut, und daher dürfet ihr sie anfordern stets und ständig; und Gott wird euer Gebet nicht unerhört lassen, denn Seine Sorge gilt eurer Vollendung, zu der ihr unbedingt die Kraft benötigt, weil ihr ohne diese schwache Geschöpfe seid, die sich allein nicht helfen können. Und dann werdet ihr auch fähig sein, Werke der Nächstenliebe zu verrichten, ihr werdet getrieben werden von innen, unentwegt Gutes zu tun, euer Herz wird Anteil nehmen an dem Geschick des Nächsten, es wird weich und empfindsam sein für die Not des anderen, und ihr werdet immer hilfsbereit sein und die Not zu lindern versuchen. Geistig und irdisch werdet ihr ihnen Hilfe bringen wollen und es auch können, so ihr die Kraft aus Gott anfordert, die Er euch nicht versagen wird. Denn nur durch Liebeswirken könnt ihr reifen und eure Erdenaufgabe erfüllen. Darum lasset nicht nach im Gebet, bleibet mit Gott in ständiger Verbindung, flehet um Kraft und Stärke für euren Erdenlebenswandel, und übergebet euch vertrauensvoll dem Vater im Himmel, Der Seine Kinder führet durch Leid und Not dem Licht entgegen....

Amen

Samstag, 26. Dezember 2020

Geburt Jesu ... Die Anbetung der Hirten ...

 


 DIE ANBETUNG DER HIRTEN
(Kap.49)

Empfangen durch Innere Schau von Maria Valtorta, Italien. 

Ich sehe ein weites Feld. Der Mond steht im Zenit und segelt friedlich durch einen mit Sternen besäten Himmel. Dieser gleicht einem riesigen, mit zahllosen Diamanten geschmückten Baldachin aus dunkelblauem Samt. Und mittendrin lacht der Mond mit seinem runden weißen Gesicht, von dem sich Ströme von milchweißem Licht auf die Erde ergießen. Die kahlen Bäume scheinen höher und schwärzer auf dem lichtüberfluteten Boden, während die Mäuerchen, die sich hier und da als Grenze erheben, milchig weiß sind; ein Haus in der Ferne ähnelt einem Block aus Carraramarmor.

Zu meiner Rechten sehe ich einen Platz, der auf zwei Seiten von einer Dornhecke und auf den anderen beiden von einer niederen, holprigen Mauer umgeben ist. Diese Mauer stützt das Dach einer Art langen, niedrigen Schuppens, der innerhalb des Geheges teils Mauerkonstruktion, teils Holzwerk aufweist, als wenn zur Sommerszeit die Holzteile entfernt würden und so der Schuppen in eine offene Säulenhalle umgewandelt würde. Aus diesem geschlossenen Gehege ertönt von Zeit zu Zeit ein kurzes Geblöke. Es müssen Schafe sein, die träumen oder vielleicht wegen der Helle, die der Mond verbreitet, glauben, der Tagesanbruch sei schon nah. Es ist ein ungewöhnliches Licht, das gleichsam zunimmt, als ob der Trabant sich der Erde nähere oder infolge eines geheimnisvollen Brandes funkle.

Ein Hirte erscheint am Eingang; er hält einen Arm über die Stirn, um die Augen zu schützen, und schaut in die Höhe. Es scheint ihm unmöglich, daß man sich gegen die Helle des Mondes schützen muß. Aber sie ist so außerordentlich stark, daß sie blendet; besonders wenn man aus einem finsteren Raum kommt. Alles ist ruhig. Aber das Licht ist erstaunlich. Der Hirte ruft seine Gefährten. Sie werden alle am Eingang sichtbar; eine Schar Männer verschiedenen Alters mit struppigen Haaren. Einige sind kaum dem Kindesalter entwachsen, andere schon ergraut. Sie machen ihre Bemerkungen über diese eigenartige Erscheinung; die jüngeren haben Angst; besonders einer, ein Knabe von zwölf Jahren. Er beginnt zu weinen und setzt sich so dem Spott der älteren aus.

«Wovor fürchtest du dich, du Dummkopf?» sagt der Älteste zu ihm. «Siehst du nicht, wie ruhig die Luft ist! Hast du noch nie den Mond leuchten sehen? Du bist immer am Schürzenzipfel deiner Mutter gehangen, wie die Küken sich unter der Henne verstecken, nicht wahr? Du wirst noch Dinge kennenlernen! Einmal bin ich bis zu den Bergen des Libanon vorgedrungen und noch weiter. Hoch hinauf. Ich war noch jung, und das Gehen machte mir keine Mühe. Ich war auch reich, damals... Auf einmal sah ich ein solches Licht, daß ich glaubte, Elias wolle wiederkommen auf seinem Feuerwagen (2 Kön 2,11). Der Himmel war ganz in Flammen. Ein Alter – jetzt ist er selbst alt – sagte zu mir: "Es nähert sich ein großes Ereignis." Für uns war es ein Unglück, denn es kamen die Soldaten aus Rom. Oh! Du wirst noch viel erleben, wenn...»

Aber der Hirtenknabe hört schon nicht mehr zu. Es scheint, daß er auch keine Angst mehr hat; denn er verläßt die Schwelle und schlüpft hervor hinter dem Rücken eines starken Schafhirten, hinter den er sich geflüchtet hatte, und begibt sich auf den grasigen Platz vor dem Schuppen. Er schaut in die Höhe und geht wie ein Nachtwandler oder wie einer, der im Bann von irgend etwas steht, was ihn vollkommen gefangennimmt. Plötzlich schreit er: «Oh!», und bleibt mit halbgeöffneten Armen wie angewurzelt stehen. Die anderen blicken sich erstaunt an.

«Was hat denn dieser dumme Junge?» fragt einer.

«Morgen schicke ich ihn zu seiner Mutter zurück. Ich will keinen Verrückten zum Hüten meiner Schafe», sagt ein anderer.

Aber der Alte, der kurz vorher gesprochen hat, sagt: «Sehen wir nach, bevor wir urteilen! Ruft auch die anderen, die noch schlafen, und holt die Stöcke! Vielleicht ist es ein wildes Tier, oder Straßenräuber sind in der Nähe...»

Sie gehen hinein, rufen die anderen Hirten, kommen dann mit Fackeln und Knüppeln heraus und gehen zum Knaben.

«Dort, dort», murmelt er lächelnd. «Dort über dem Baum! Schaut, welch ein Licht da kommt! Es scheint, als ob es auf den Strahlen des Mondes herabgleite. Seht, es nähert sich! Oh, wie schön ist es!»

«Ich sehe nur einen helleren Schein.»

«Ich auch.»

«Auch ich», sagen die anderen.

«Nein, ich sehe etwas wie einen Körper», sagt einer, in dem ich den Hirten erkenne, der Maria die Milch gegeben hat.

«Es ist ein... Engel!» schreit der Knabe. «Seht, er kommt herab und nähert sich... nieder auf die Knie vor dem Engel Gottes!»

Ein langes und ehrfurchtsvolles «Oh!» steigt aus der Gruppe der Hirten auf, die, das Gesicht zu Boden gerichtet, niederfallen; und je älter sie sind, um so mehr scheinen sie von der leuchtenden Erscheinung beeindruckt. Die Jüngeren sind auf den Knien, schauen aber auf den Engel, der immer näher kommt. Nun schwebt er ruhig über der Umfriedungsmauer und bewegt die großen, perlfarbigen Flügel, die weiß schimmern im milchigen Mondlicht '

«Fürchtet euch nicht! Ich bringe kein Unheil. Ich bringe euch die Kunde einer großen Freude für das Volk Israel und für alle Völker der Erde.»Die Stimme des Engels ist wie ein Harfenklang, vermischt mit dem Gesang von Nachtigallen.

«Heute ist in der Stadt Davids der Erlöser geboren!» Bei dieser Ankündigung öffnet der Engel seine Flügel noch mehr und bewegt sie wie in einem plötzlichen Aufwall der Freude, und ein Funkenregen von Gold und kostbaren Steinen scheint von ihm auszugehen: ein wahrer Regenbogen, der sich wie ein Triumphbogen über den armseligen Stall wölbt.

«... der Heiland, der Christus ist.» Der Engel schwebt in immer größerem Glanz. Seine beiden Flügel bewegen sich nicht mehr und sind mit ihren Spitzen zum Himmel gerichtet, wie zwei unbewegliche Segel auf dem Saphirblau des Meeres; sie gleichen zwei Flammen, die brennend emporlodern.

«... Christus, der Herr!» Der Engel zieht seine beiden leuchtenden Flügel ein und hüllt sich in sie ein wie in ein Überkleid aus diamantenen Perlen; er beugt sich wie zur Anbetung nieder, die Arme kreuzweise über

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dem Herzen; sein Antlitz neigt sich über die Brust und verschwindet unter den Spitzen der zusammengefalteten Flügel. Während der Dauer eines Gloria sieht man nichts mehr als eine längliche, unbewegliche Lichtgestalt.

Doch jetzt bewegt er sich wieder. Er öffnet die Flügel, erhebt das leuchtende Antlitz, und Licht fällt darauf und vereinigt sich mit seinem paradiesischen Lächeln. Er sagt: «Daran werdet ihr es erkennen: in einem armen Stall hinter Bethlehem werdet ihr ein Kindlein finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend; denn für den Messias war kein Platz in der Stadt.» Bei diesen Worten wird der Engel ernst, ja traurig.

Aber vom Himmel kommen nun viele – oh, wie viele – viele Engel, die ihm ähnlich sind: eine Leiter von Engeln, die jubelnd herabsteigen und den Mond mit ihrem paradiesischen Licht übertreffen; sie versammeln sich um den Verkündigungsengel, indem sie die Flügel schlagen und Wohlgerüche ausströmen, und im Wohlklang von Tönen, in denen die schönsten Stimmen der Schöpfung in der höchsten Vollkommenheit widerhallen. Wenn die Materie in der Farbe zu Licht wird, so ist hier die Melodie ein Aufklingen der Schönheit Gottes für die Menschen. Diese Melodie hören heißt, das Paradies kennenlernen, wo alles Harmonie der Liebe ist, die von Gott ausstrahlt, um die Seligen zu beglücken, und von diesen zu Gott zurückkehrt, um ihm zu sagen: «Wir lieben dich!»

Das "Gloria" des Engels breitet sich in immer größeren Wellen über die ruhige Landschaft aus, und mit ihm das Licht; und die Vögel stimmen in den Gesang ein, um dieses frühe Licht zu begrüßen, und die Schafe beginnen mit ihrem Geblöke zu diesem vorzeitigen Sonnenlicht. Aber wie schon im Stall bei Ochs und Esel, glaube ich lieber, daß die Tiere ihren Schöpfer begrüßen, der mitten unter ihnen erschienen ist, um sie nicht nur als Gott, sondern auch als Mensch zu lieben.

Der Gesang wird schwächer, ebenso das Licht, während die Engel wieder zum Himmel aufsteigen. Die Hirten kommen langsam zu sich.

«Hast du gehört?»

«Sollen wir hingehen, um nachzusehen?»

«Und die Tiere?»

«Oh, es wird ihnen nichts geschehen! Gehen wir, um dem Wort Gottes zu gehorchen! ...»

«Aber wohin sollen wir gehen?»

«Hat er nicht gesagt, daß er heute geboren worden ist? Und daß er keine Unterkunft in Bethlehem gefunden hat?»

Nun ergreift der Hirt, der die Milch gegeben hat, das Wort: «Kommt, ich weiß, wo wir ihn finden. Ich habe die Frau gesehen und hatte Mitleid mit ihr. Ich habe ihnen den Ort bezeichnet, denn ich dachte mir, daß sie keine Unterkunft finden würden; und dem Mann habe ich Milch für sie gegeben. Sie ist sehr jung und schön, und sie muß gut sein wie der Engel,der zu uns gesprochen hat. Kommt, kommt, nehmen wir Milch, Käse, Lämmer und gegerbte Felle mit. Sie müssen sehr arm sein, und... wer weiß, wie sehr jener frieren muß, dessen Name ich nicht auszusprechen wage. Und wenn ich daran denke, daß ich zu seiner Mutter geredet habe, wie zu einer armen Ehefrau! ...»

Sie gehen in ihren Unterschlupf und kommen kurz darauf wieder heraus: der eine mit Krügen voller Milch, der andere mit rundem Käse in einem geflochtenen Netz, ein dritter mit einem blökenden Lämmlein in einem Korb und wieder ein anderer mit gegerbten Schaffellen.

«Ich bringe ein Schaf. Es hat vor einem Monat ein Junges bekommen und hat jetzt gute Milch. Es wird ihnen nützlich sein, wenn die Frau keine Milch hat. Sie schien mir noch ein Kind, und sie war so blaß! ... Ein Antlitz wie Jasmin im Mondschein», sagt der Hirte mit der Milch. Und er führt das Schaf mit sich.

Sie gehen im Mondlicht und im Schein der Fackeln, nachdem sie Schuppen und Hürde verschlossen haben. Sie gehen auf Feldwegen, zwischen Dornenhecken, die der Winter geplündert hat. Sie gehen um Bethlehem herum und sie kommen zum Stall. Aber nicht von der Seite, von der Joseph und Maria gekommen waren, sondern von der entgegengesetzten, so daß sie nicht an den schöneren Stallungen vorüberkommen, sondern gleich auf die gesuchte Unterkunft stoßen. Sie nähern sich ihr.

«Geh hinein!»

«Ich wage es nicht!»

«Dann geh du!»

«Nein.»

«So schau wenigstens!»

«Du, Levi, der du den Engel zuerst gesehen hast, ein Zeichen, daß du besser bist als wir, schau du!» Vorher hatten sie ihn verrückt gescholten; nun aber möchten sie, daß er wagt, was sie selbst nicht wagen.

Der Knabe zögert erst; dann faßt er Mut. Er nähert sich der Öffnung, hebt ein wenig den vorgehängten Mantel, schaut... und bleibt entzückt stehen.

«Was siehst du?» fragen sie ihn ängstlich mit leiser Stimme.

«Ich sehe eine junge, schöne Frau und einen Mann, der über eine Krippe gebeugt ist, und höre... höre ein Kindlein weinen, und die Frau spricht zu ihm mit einer Stimme... Oh! welch eine Stimme!»

«Was sagt sie?»

«Sie sagt: "Jesus, kleiner Jesus! Du Liebe deiner Mutter! Weine nicht, mein Söhnlein!" Sie sagt: "Oh! Könnte ich zu dir sagen: Nimm die Milch, mein Kleiner! Aber ich habe noch keine." Sie sagt: "Du hast so kalt, meine Liebe! Und dich sticht das Heu. Welch ein Schmerz für deine Mutter, dich so weinen zu hören und dir nicht helfen zu können!" Sie sagt: "Schlafe, meine Seele! Denn mein Herz zerspringt, wenn ich dich weinen höre und deine Tränen sehe!" Und sie küßt es und wärmt ihm gewiß mit ihren Händen die Füßchen; denn sie steht gebeugt und hat die Hände in der Krippe.»

«Rufe! Mach dich bemerkbar!»

«Ich nicht. Du, der du uns geführt hast und sie schon kennst.»

Der Hirte öffnet den Mund und beschränkt sich darauf zu stöhnen.

Joseph wendet sich um und kommt an die Tür.

«Wer seid ihr?»

«Hirten. Wir bringen euch Speisen und Wolle. Wir kommen, den Erlöser anzubeten.»

«Tretet ein.»

Sie gehen hinein, und der Stall wird vom Licht der Fackeln erhellt. Die Alten schieben die Jungen vor sich her.

Maria wendet sich um und lächelt. «Kommt!», sagt sie. «Kommt!» Und sie lädt sie mit der Hand und mit ihrem Lächeln ein und nimmt den, der den Engel gesehen hat, bei der Hand und führt ihn zur Krippe. Und der Knabe schaut selig hinein.

Die anderen, von Joseph aufgefordert, kommen mit ihren Geschenken näher und legen sie mit bewegten Worten zu Füßen Marias nieder; dann schauen sie auf das Kindlein, das leise weint, und lächeln gerührt und selig.

Und einer, der beherzter als die anderen ist, sagt: «Nimm, o Mutter! Sie ist weich und sauber. Ich habe sie für das Kind, das mir bald geboren wird, vorbereitet. Aber ich gebe sie dir. Lege deinen Sohn in diese Wolle, sie ist weich und warm!» Er bietet ihr ein Schaffell an. Es ist ein sehr schönes Fell mit reicher, weißer und langhaariger Wolle.

Maria nimmt Jesus und wickelt ihn ein. Sie zeigt ihn den Hirten, die auf den mit Stroh bedeckten Boden niederknien und ihn voller Entzücken betrachten.

Sie werden nun mutiger, und einer schlägt vor: «Man sollte ihm einen Schluck Milch geben; besser noch Wasser und Honig. Aber wir haben keinen Honig. Er tut den ganz Kleinen gut. Ich habe sieben Kinder und weiß ...»

«Hier ist die Milch. Nimm sie, o Frau!»

«Aber sie ist kalt. Sie muß warm sein. Wo ist Elias? Er hat das Schaf.»

Elias muß der Hirte mit der Milch sein. Aber er ist nicht da. Er ist draußen stehengeblieben und schaut durch den Spalt hinein; im Dunkel der Nacht sieht man ihn nicht.

«Wer hat euch hierhergeführt?»

«Ein Engel hat uns gesagt, wir sollen kommen, und Elias hat uns hierher geführt. Aber wo ist er jetzt?»

Das Schaf verrät ihn mit seinem Blöken.

«Komm herein, man braucht dich!»

Nun tritt er mit seinem Schaf ein, beschämt, im Mittelpunkt zu stehen.

«Du bist es?» sagt Joseph, der ihn wiedererkennt; und Maria lächelt ihm zu und sagt: «Du bist gütig.»

Sie melken das Schaf, und mit der Spitze eines in die warme und schäumende Milch getauchten linnenen Tüchleins benetzt Maria die Lippen des Kindleins, das die süße Sahne einsaugt. Alle freuen sich, und ihre Freude wächst noch an, als Jesus mit dem Linnenzipfel zwischen den kleinen Lippen in der warmen Wolle einschläft.

«Aber hier könnt ihr nicht bleiben! Es ist feucht und kalt hier. Und dann... hier riecht es zu stark nach Tieren. Das ist nicht gut... und schickt sich nicht für unseren Heiland.»

«Ich weiß es», sagt Maria mit einem tiefen Seufzer. «Aber es ist kein Platz für uns in Bethlehem.»

«Sei getrost, Frau, wir werden dir ein Haus suchen.»

«Ich werde es meiner Herrin sagen», versichert derjenige mit der Milch, Elias. «Sie ist gut. Sie wird euch aufnehmen, selbst wenn sie ihr Zimmer räumen müßte. Sobald es Tag ist, werde ich es ihr sagen. Ihr Haus ist voller Menschen; aber sie wird euch ein Plätzchen geben.»

«Wenigstens für mein Kind! Joseph und ich, wir können auf dem Boden schlafen. Aber für den Kleinen ...»

«Seufze nicht, Frau! Ich werde mich darum kümmern. Und wir werden vielen verkünden, was uns gesagt worden ist. Es wird euch an nichts fehlen. Für jetzt nehmt das, was unsere Armut euch geben kann. Wir sind Hirten...»

«Auch wir sind arm. Und wir können es euch nicht vergelten», sagt Joseph.

«Oh, wir wollen nichts! Auch wenn ihr könntet, würden wir nichts nehmen. Der Herr hat es uns schon vergolten. Er hat allen den Frieden versprochen. Die Engel sagten: "Friede den Menschen guten Willens!" Und uns hat er ihn schon gegeben, denn der Engel hat gesagt, daß dieses Kind der Erlöser ist, der Christus, der Herr. Wir sind arme und unwissende Schäfer; aber wir wissen, daß die Propheten sagen, der Erlöser werde der Friedensfürst sein (ls 9,6), und man hat uns gesagt, wir sollen hingehen und Ihn anbeten. Daher hat Er uns seinen Frieden gegeben. Ehre sei Gott in der Höhe, und Ehre diesem kleinen Gesalbten; und gebenedeit bist du, Frau, die du Ihn geboren hast! Heilig bist du, denn du bist würdig gewesen, Ihn zu tragen! Befiehl uns als Königin, denn wir werden glücklich sein, dir zu dienen. Was können wir für dich tun?»

«Meinen Sohn lieben und stets im Herzen die Gedanken hegen, die ihr jetzt habt.»

«Aber für dich? Für dich willst du nichts? Hast du keine Verwandten, denen du melden möchtest, daß er geboren ist?»

«Ja, ich hätte solche. Aber sie sind nicht in der Nähe. Sie leben in Hebron ...»

«Ich gehe hin», sagt Elias. «Wer sind sie?»«Zacharias, der Priester, und Elisabeth, meine Base.»

«Zacharias? Oh, den kenne ich gut. Im Sommer gehe ich dort auf die Berge, denn die Weiden sind reich und grün, und ich bin mit seinen Hirten befreundet; sobald ich dich wohlversorgt weiß, gehe ich zu Zacharias.»

«Danke, Elias.»

«Nichts zu danken. Es ist eine große Ehre für mich, den armen Hirten, zum Priester zu gehen und ihm zu sagen: "Der Erlöser ist geboren."»

«Nein, du wirst sagen: "Maria von Nazareth, deine Base, hat gesagt, daß Jesus geboren ist, und bittet dich, nach Bethlehem zu kommen."»

«So werde ich es sagen.» «Gott vergelte es dir! Ich werde deiner gedenken, euer aller...»«Wirst du deinem Kind von uns erzählen?»«Ja, das werde ich.» «Ich bin Elias.»«Und ich Levi.»«Und ich Samuel.»«Und ich Jonas.»«Und ich Tobias.»«Und ich Jonathan.»«Und ich Daniel.»«Und ich Simeon.»«Und ich heiße Johannes.» «Ich heiße Joseph und mein Bruder Benjamin; wir sind Zwillinge.»«Ich werde mich eurer Namen erinnern.»

«Wir müssen gehen... Aber wir kommen wieder... Und wir werden andere mitbringen zur Anbetung ...»

«Wie kann man zur Herde zurückkehren und dieses Kind verlassen?» «Ehre sei Gott, der es uns gezeigt hat!»

«Laß uns sein Kleid küssen!» sagt Levi mit einem engelhaften Lächeln. Maria nimmt Jesus vorsichtig aus der Krippe, und auf dem Heu sitzend, hält sie die in Leinwand eingehüllten Füßlein hin zum Kuß. Die Hirten verneigen sich und küssen die in Leinwand gewickelten Füßlein. Wer einen Bart hat, streicht ihn vorher zurecht, und fast alle weinen. Als sie schließlich aufbrechen, gehen sie rückwärts hinaus... und lassen ihr Herz zurück...

So endet meine Vision, mit Maria, die auf dem Heu sitzt, das Kind im Schoß, und Joseph, der, einen Arm auf die Krippe gestützt, betrachtet und anbetet.

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DIE GEBURT JESU ...

 


DIE GEBURT JESU ....
(Kap.47)

Empfangen und aufgeschrieben von Maria Valtorta, Italien.

Die Botschaften Jesu an Maria Voltarta sind in 714 Kapiteln angeordnet, sie entsprechen jedoch nicht genau der Chronologie ihrer Übermittlung. Die ersten Visionen datieren vom Jahr 1943, das folgende Diktat, das den Anfang des ganzen Werkes bildet, erhielt Maria Voltarta am 22. August 1944:


Ich sehe wieder das Innere dieser armen, steinigen Zufluchtsstätte, wo Maria und Joseph, das Los der Tiere teilend, Unterkunft gefunden haben.

Das Feuerchen schlummert zusammen mit seinem Wächter. Maria hebt leise ihr Haupt vom Lager und schaut sich um. Sie sieht Joseph, der mit dem bis auf die Brust gesunkenen Haupt dasitzt, als ob er nachdenke. Sie erkennt, daß die Müdigkeit stärker war als sein guter Wille, und lächelt gütig. Nun setzt sie sich auf, darum bemüht, so wenig Geräusche als möglich zu verursachen – selbst ein Falter könnte sich nicht lautloser auf einer Rose niederlassen – und geht dann von der sitzenden Stellung in die kniende über, um mit einem glücklichen Lächeln auf dem Antlitz zu beten. Sie betet mit offenen Armen; nicht in Kreuzesform, sondern die Arme erhoben und nach vorne gerichtet, und die Handflächen nach oben geöffnet. Sie scheint nicht müde zu werden in dieser unbequemen Haltung. Dann beugt sie sich ganz tief nach vorne, bis sie mit ihrem Gesicht das Heu berührt, und verharrt so in einem innigen, sehr langen Gebet.

Joseph schüttelt sich. Er sieht, daß das Feuer fast erstorben und der Stall fast dunkel ist. Er wirft eine Handvoll feinen Heidekrauts hinein, und die Flamme flackert wieder auf; nun legt er größere Zweige hinzu, dann noch größere, denn es beginnt, empfindlich kalt zu werden. Die Kälte dieser heiteren Winternacht dringt von allen Seiten in die Ruine ein. Der arme Joseph, so nahe an der Tür – nennen wir so das Loch, über dem sein Mantel hängt – muß vor Kälte fast erstarrt sein. Er hält die Hände an die Flamme, löst die Sandalen und streckt auch die Füße zum Feuer hin. So erwärmt er sich. Sobald das Feuer gut brennt und sein Licht verbreitet, dreht er sich um. Aber er sieht nichts; nicht einmal den hellen Schleier von Maria, der sich erst wie ein heller Streifen vom dunklen Heu abhob. Er richtet sich auf und nähert sich der Lagerstätte.

«Schläfst du, Maria?» fragt er. Dreimal muß er fragen, bis sie sich bewegt und antwortet: «Ich bete.»

«Benötigst du nichts?»

«Nein, Joseph.»

«Versuche etwas zu schlafen; wenigstens etwas auszuruhen!»

«Ich werde es versuchen. Aber beten ermüdet mich nicht.»

«Gott sei mit dir, Maria!»

«Und auch mit dir, Joseph!»

Maria nimmt wieder ihre frühere Stellung ein. Joseph wirft sich neben dem Feuer auf die Knie, um nicht wieder dem Schlaf zu verfallen, und betet. Er betet mit den Händen vor dem Gesicht. Bisweilen entfernt er sie, um das Feuer zu schüren; dann kehrt er wieder zu seinem inständigen Gebet zurück. Abgesehen von dem Geräusch der Holzstücke, die im Feuer prasseln, und dem des Esels, der dann und wann mit einem Huf auf den Boden schlägt, hört man nichts.

Ein feiner Mondstrahl dringt durch einen Spalt in der Decke und scheint wie eine körperlose, silberne Klinge Maria zu suchen. Sie wird mit dem Höhersteigen des Mondes immer größer, so daß sie schließlich das Haupt der Betenden erreicht und es mit einem strahlenden Glanz umgibt.

Maria hebt das Haupt, wie einer himmlischen Stimme folgend, und wirft sich von neuem auf die Knie. Ihr Haupt scheint im weißen Licht des Mondes zu strahlen, und ein übernatürliches Lächeln verklärt sie. Was sieht sie? Was hört sie? Was empfindet sie? Nur sie allein könnte sagen, was sie sieht, hört und empfindet in der leuchtenden Stunde ihrer Mutterschaft. Ich sehe nur, daß um sie herum das Licht stärker und immer stärker wird. Es scheint vom Himmel zu kommen; es scheint von den ärmlichen Dingen rings um sie herum auszugehen; es scheint vor allem, daß sie selbst es ist, die es ausstrahlt.

Ihr dunkelblaues Gewand erscheint jetzt im milden Himmelsblau des Vergißmeinnichts. Die Hände und das Gesicht werden bläulich, wie unter dem Licht eines riesigen, bleichglühenden Saphirs. Diese Farbe erinnert mich, auch wenn sie zarter ist, an jene, die ich in den Visionen des heiligen Paradieses und auch bei der Ankunft der Weisen gesehen habe. Immer mehr breitet sie sich aus über die Gegenstände und Kleider und läutert sie und gibt ihnen ihren Glanz.

Immer mehr strömt dieses Licht vom Körper Marias aus. Es scheint, daß sie alles Licht anzieht, das vom Himmel kommt. Nunmehr ist sie selbst die Verwalterin des "Lichtes". Sie, die dieses Licht der Welt geben soll. Es ist das beseligende, unbezwingbare, unermeßliche, ewige, göttliche Licht, das jetzt gegeben wird und das sich ankündet durch eine Morgendämmerung, einen Morgenstern, einen Chor von Lichtatomen, die anwachsen, wachsen wie eine Meeresflut, die steigen, aufsteigen wie Weihrauch, die herniederfallen wie ein Strom und sich ausbreiten wie ein Schleier...

Die Decke voller Risse, Spinngewebe, hervorspringender Trümmer, die in der Schwebe hängen wie ein statisches Wunder, rauchgeschwärzt und abstoßend, erscheint nun wie das Gewölbe eines königlichen Saals. Jeder Stein wirkt wie ein silberner Block, jeder Riß wie das Schimmern eines Opals, jedes Spinngewebe wie ein kostbarer Baldachin, durchwirkt mit Silber und Diamanten. Eine große Eidechse, die sich zwischen zwei Felsstücken im Winterschlaf befindet, scheint ein Smaragd zu sein, der dort von einer Königin vergessen wurde, und eine Traube von schlafenden Fledermäusen sieht aus wie ein kostbarer Leuchter von Onyx. Das Heu, das von der höheren Krippe herabhängt, ist kein Gras mehr: es sind Fäden aus reinem Silber, die in der Luft mit der Anmut aufgelöster Haare zittern.

Die darunterliegende Krippe in ihrem groben Holz ist ein Block von gebräuntem Silber geworden. Die Wände sind bedeckt mit einem Brokat, in dem der Glanz der weißen Seide unter den perlfarbigen Verzierungen verschwindet. Und der Boden? ... Was ist aus dem Boden geworden? Ein von weißem Licht erhellter Kristall. Die Buckel sind wie Lichtrosen, die als Ehrenbezeigung auf den Boden gestreut wurden, und die Löcher wie kostbare Kelche, aus denen Wohlgerüche aufsteigen.

Das Licht wird stärker und stärker. Es wird für das Auge unerträglich. In ihm verschwindet, wie von einem weißglühenden Lichtschleier verhüllt, die Jungfrau... und kommt aus ihm hervor als die Mutter.

Ja, als das Licht für meine Augen wieder erträglich wird, sehe ich Maria mit ihrem neugeborenen Sohn auf den Armen. Ein Kindlein, rosig und mollig, das sich bewegt und mit seinen Händchen – groß wie Rosenknospen – herumfuchtelt und mit seinen Füßlein zappelt, die im Herzen einer Rose Platz hätten. Es wimmert mit einem zitternden Stimmlein, gerade wie ein eben geborenes Lämmlein, und zeigt beim Öffnen des Mündleins, das klein wie eine Walderdbeere ist, ein gegen den Gaumen zitterndes Zünglein. Ein Kindlein, das sein Köpfchen bewegt, das die Mutter in ihrer hohlen Hand hält, während sie ihr Kindlein betrachtet und anbetet, weinend und freudig zugleich. Sie neigt sich, um es zu küssen, nicht auf das unschuldige Haupt, sondern tiefer, mitten auf die Brust, dort, wo das Herzchen schlägt... ja, für uns schlägt... dort, wo eines Tages die Wunde sein wird. Sie heilt sie schon im voraus, die Wunde; sie, die Mutter, mit ihrem unbefleckten Kuß.

Der vom Lichtglanz geweckte Ochse erhebt sich mit großem Lärm der Hufe und einem lauten Muhen. Der Esel wendet seinen Kopf und schreit sein «Iah!». Das Licht, das sie verwundert, hat sie geweckt; aber ich denke lieber, daß sie ihren Schöpfer haben grüßen wollen, in ihrem Namen und in dem aller Tiere.

Auch Joseph, der wie verzückt innig betet, so daß er all dem entzogen schien, was ihn umgab, kommt nun zu sich und sieht durch die vor das Gesicht gehaltenen Finger das eigenartige Licht durchscheinen, hebt den Kopf und dreht sich um. Der stehende Ochse verbirgt Maria. Aber sie ruft: «Joseph, komm!» Joseph eilt hin... aber, als er sieht, was geschehen ist, hält er von Ehrfurcht überwältigt inne und will auf die Knie fallen. Aber Maria wiederholt: «Komm, Joseph!» und stützt sich mit der Linken auf das Heu, während sie mit der Rechten das Kind an ihr Herz drückt; sie erhebt sich und geht Joseph entgegen, der sich verlegen nähert, hin- und hergerissen zwischen dem Verlangen hinzugehen und der Furcht, unehrerbietig zu sein.

An der Lagerstätte begegnen sich die beiden Verlobten und blicken sich an in seligem Weinen.

«Komm, wir wollen Jesus dem Vater aufopfern!» sagt Maria.

Und während Joseph niederkniet, hält Maria, die aufrecht zwischen den beiden das Gewölbe tragenden Pfosten steht, ihr Kind in die Höhe und spricht: «Hier bin ich. Für ihn, o Gott, sage ich dir diese Worte: "Sieh, hier bin ich, deinen Willen zu tun. Und mit ihm, ich, Maria, und Joseph, mein Bräutigam. Sieh, o Herr, deine Diener! Möge an uns immer und in jeder Stunde dein Wille geschehen zu deiner Ehre und aus Liebe zu dir."» Dann neigt sich Maria und sagt: «Nimm, Joseph!» und bietet ihm das Kind an.

«Ich? Mir? O nein! Ich bin nicht würdig!» Joseph ist verwirrt, vernichtet bei dem Gedanken, Gott zu berühren.

Maria aber besteht lächelnd auf ihrem Wort: «Du bist dessen wohl würdig. Niemand mehr als du, und deswegen hat der Allerhöchste dich erwählt. Nimm, Joseph, und halte es, während ich die Windeln hole!»

Joseph, rot wie Purpur, streckt die Hände aus, nimmt das Bündelchen Fleisch, das vor Kälte schreit, und nachdem er es einmal in den Armen hat, verharrt er nicht weiter in seiner Absicht, es aus Ehrfurcht weit von sich zu halten; er drückt es an sein Herz und sagt unter reichlichen Tränen: «Oh! Herr! Mein Gott!» Und er beugt sich, um die Beinchen zu küssen. Er fühlt ihre Kälte und setzt sich daher zu Boden, nimmt das Kind in seinen Schoß und sucht es mit seinem braunen Gewand und seinen Händen zu bedecken, zu erwärmen und zu schützen vor der bitteren Kälte der Nacht. Er möchte zum Feuer gehen, aber da ist die Zugluft, die durch die Tür eindringt. Lieber hier bleiben. Besser noch ist es, zwischen die beiden Tiere zu gehen, die einen Schild bilden gegen die Zugluft und Wärme ausstrahlen. So begibt er sich zwischen Ochs und Esel und stellt sich mit dem Rücken gegen die Türöffnung, über den Neugeborenen gebeugt, um aus seiner Brust eine Muschel zu machen, deren Seitenwände ein grauer Kopf mit langen Ohren und ein großes weißes Maul mit dampfenden Nüstern und feuchten, gutmütigen Augen sind. Maria hat die Truhe geöffnet und ihr Tücher und Windeln entnommen. Sie ist ans Feuer gegangen und hat sie erwärmt. Nun kommt sie zu Joseph und wickelt das Kind in die gewärmte Leinwand und dann in ihren Schleier, um sein Köpfchen gegen die Kälte zu schützen.

«Wo legen wir es jetzt hin?» fragt sie.

Joseph schaut umher und denkt nach... «Warte!» sagt er. «Treiben wir die beiden Tiere samt ihrem Heu hinüber, und nehmen wir das Heu von oben herunter, und legen wir es da hinein! Das Holz der Krippenwand wird es vor der Zugluft schützen; das Heu kann ihm als Kissen dienen; und der Ochse wird es mit seinem Atem etwas erwärmen... besser der Ochse, er ist geduldiger und ruhiger.» Joseph macht sich an die Arbeit, während Maria ihr Kindlein in den Schlaf wiegt, indem sie es fest an ihr Herz drückt und ihre Wange an sein Köpfchen hält, um ihm Wärme zu spenden.

Joseph schürt das Feuer; ohne zu sparen legt er auf, um eine schöne Flamme zu haben; er erwärmt das Heu und legt es unter seinen Mantel, damit es nicht wieder erkälte, und als er soviel beisammen hat, daß er ein Maträtzchen für das Kindlein daraus bilden kann, geht er zur Krippe und legt es wie in einer Wiege zurecht. «Fertig», sagt er. «Jetzt brauchen wir noch eine Decke, denn das Heu sticht, und auch, um es zuzudecken...»

«Nimm meinen Mantel», sagt Maria.

«Du wirst kalt haben!»

«Oh! Das macht nichts! Die Decke ist zu rauh. Der Mantel ist warm und weich. Ich fühle durchaus keine Kälte. Nur daß Er nicht mehr darunter leide!»

Joseph nimmt den weiten Mantel aus dunkelblauer, weicher Wolle, legt ihn doppelt genommen über das Heu und läßt einen Zipfel über die Krippe herunterhängen. Das erste Bettlein für den Erlöser ist bereit.

Die Mutter bringt ihn mit ihrem anmutigen, wiegenden Schritt herbei legt ihn nieder, bedeckt ihn mit den Zipfeln des Mantels und hüllt auch das nackte Köpfchen ein. Nur das Gesichtchen bleibt unbedeckt. Die beiden beugen sich über die Krippe und betrachten selig das Kindlein, wie es seinen ersten Schlaf schläft; die sanfte Wärme der Windeln und des Heus haben die Tränen versiegen und den süßen Jesus einschlafen lassen.

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