Predigten des Herrn – 2. Predigt – Matthäus 11, 26-30
Sollen wir eines andern warten? – Anfrage des Johannes
Geoffenbart an Gottfried Mayerhofer
zum 2. Advent (4.12.1871)
zum 2. Advent (4.12.1871)
Matthäus 11:26-30…
Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: “Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?” Jesus antwortete und sprach zu ihnen: “Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert!” – Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei und ließ ihm sagen: “Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten?” Jesus antwortete und sprach zu ihnen: “Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir ärgert!” – Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
1. Als in jener Zeit Johannes im Gefängnis saß, schickte er einige
seiner Jünger zu Mir, und ließ Mich fragen, ob Ich derjenige sei,
welcher als der verheißene Messias kommen solle, um die Völker von ihrem
materiellen Druck zu befreien und sie zur geistigen Würde zu erheben,
deretwegen die Menschen eigentlich geschaffen wurden, – oder ob er auf
einen andern warten solle.
2. Diese Frage, ob Ich eigentlich derjenige sei, von dem die
Propheten weissagten, ist auch jetzt wieder in den Gemütern, die nicht
recht im klaren mit sich selbst sind, aufgetaucht. Sie haben wohl eine
leise Ahnung von einem künftigen geistigen Zustand, der die alten
herkömmlichen Religionsgewohnheiten zum Teil vernichten wird und zum
Teil auf ihr rechtes Maß zurückführen soll.
3. Deswegen schicken auch sie ihre Jünger und lassen fragen: “Bist Du
derjenige, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen andern
warten?”
4. Diese Jünger oder Anhänger der eigentlichen, wahren Religionslehre
sind noch befangen von den ihnen von Jugend an eingeprägten
Religionsgrundsätzen, die nicht immer Meine Lehre ins rechte Licht
stellten und, vermischt mit Gebräuchen, den Gläubigen stets zum
Schwanken brachten.
5. Diese Jünger oder Männer, welche sich an die Spitze der Religions-
und Glaubensbewegungen gestellt haben, sind noch nicht frei von
Vorurteilen. Sie fragen in ihrem Innern bei Mir an: ‘Handeln wir so
recht oder nicht?’ Und Ich, der Ich jetzt durch Meine Knechte die Lehre,
wie Ich sie einst gab, wiedergegeben habe, und noch fortwährend
erläutere, sage ihnen: Seht Meine Taten; seht Meine Kinder, wie sie die
Gottes und Menschenliebe auffassen; seht, welche Willenskraft in
einzelnen Wunder wirkt, nicht wie einst durch Meine eigene Hand, aber
doch so, daß sie in vielen Fällen eure Gelehrten und Doktoren zuschanden
machen werden.
6. Auch damals sagte Ich: “Ihr seid wie die Kinder! Ihr habt
gepfiffen, und eure Gespielen wollten nicht tanzen; ihr habt geklagt,
und sie wollten nicht weinen!” Und jetzt sage Ich wieder: "Ihr
Unmündigen glaubt und hofft, die Menschen werden euren Führern folgen,
und ihr werdet das Gegenteil sehen! Ihr Menschen nebst euren Führern
werdet klagen und doch niemandem Tränen entlocken oder Mitleid erwecken
können!"
7. Ja, wie einst, so ist es auch jetzt und wird es stets sein: Dem
Himmelreich muß Gewalt angetan werden! Es muß mit Gewalt der alte Adam
verdrängt und mit festem Willen der neue angezogen werden, sonst ist
alles Reformierenwollen umsonst. Mittelwege einschlagen und teilweise
Meine Lehre, teilweise Gebräuche veralteter Institutionen gebrauchen
wollen, geht nicht an. Ich bin ein Geist, und wer Mich anbeten will, muß
Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten. Mit Wahrheit anbeten heißt:
mit unerschütterlichem Vertrauen – mit Gewalt! Und wer mit Gewalt den
Himmel ergreift, dessen Eigentum wird er auch sein.
8. Die Menschen von damals und die Menschen von heute hatten und
haben eine irrige Idee von Johannes, Meinem Vorgänger, und von Mir
selbst. Johannes glaubten sie zu finden, wie sie selbst waren, nach
ihren weltlichen Begriffen. Mich stellten sie sich ebenfalls vor als
einen die weltlichen Verhältnisse Verbessernden. Jedem Vorgänger und
ernsten Kämpfer für Meine Lehre wird es ergehen wie dem Johannes; er
wird ebensowenig begriffen werden wie Ich, der Ich schon in dieser
Meiner Lehre mehrere Jahre hindurch unter euch weile, mittelbar und
unmittelbar Mich euch kundgebend durch Meine Schreiber und Knechte.
9. Überall möchten die Menschen, wenn sie auch von Meiner Lehre etwas
wissen oder neuerdings erfahren, dieselbe dem Leben so anpassen, daß es
keiner Aufopferung, keiner Verleugnung bedarf, um Meine Jünger, Meine
Kinder zu werden.
10. Was Ich einst über die Stadt Judas sagte, gilt auch heute noch
für die großen Hauptstädte eurer Erde. Dort, wo die größte Aufklärung
walten sollte, herrscht die größte Finsternis, und in jenen Städten, wo
Ich Mich den Menschen direkt kundgebe, dort nimmt man am wenigsten Notiz
von Mir, wie einst in Kana, wo Ich das erste öffentliche Wunder wirkte.
11. Ihr seht, daß ein Jahrtausend verflossen ist, aber die Menschen stets die nämlichen geblieben sind.
12. Einst sagte Ich: “Mich, den Sohn, kennt nur der Vater, und den
Vater kennt allein der Sohn.” Und auch jetzt muß Ich leider ebenfalls
sagen: “Mich, die mit Weisheit tätige Liebe, kennt nur allein die
Gottesliebe im höchsten Sinn.”
13. Die Menschen möchten Mich finden, doch verstehen sie nicht zu
suchen. Noch sind Führer und Geführte befangen, noch hängt ihnen, wie
einst Moses, eine dreifache Decke über den Augen, und wenn Ich sie auch
lüften möchte, wenn Ich auch rufe: “Kommet her, ihr alle, die ihr
beladen seid, auf daß Ich euch erquicke!”, so verstehen sie diesen Ruf
nicht. Sie kennen des Hirten Stimme noch nicht, sie sind verirrte
Schafe, die erst nach langem Herumtappen im Finstern zum Licht der
Liebe, der Wahrheit und des freien Bewußtseins gelangen werden.
14. Auch jetzt wird es so sein, wie Ich einst sagte: “Den Hochmütigen
wird vorenthalten werden, was den Unmündigen, mit dem Herzen Suchenden
geoffenbart wird!”
15. Alle Reformer, die sich jetzt an die Spitze der Gläubigen
gestellt haben, welche ein besseres geistiges Los ahnen, werden so
manches von ihren Lieblingsansichten fahren lassen müssen wie ihre
Nachfolger. Sie werden noch manches Bittere durchzumachen haben, bis sie
Mein Wort von damals begreifen, welches heißt: “Mein Joch ist sanft,
und Meine Bürde ist leicht!” Lernt von Mir die Demut, die Sanftmut und
die Nächstenliebe oder in religiöser Hinsicht die Toleranz, so werdet
ihr Ruhe finden für eure Seele und auch fähig werden, anderen diese Ruhe
zu geben, die ihnen jetzt noch mangelt.
16. So wie dort vor Meinen Lehrjahren sich alle diese Ereignisse
zutrugen und Johannes als Vorläufer in der Wüste predigte, so ist es
auch jetzt, ehe Mein wirkliches Darniederkommen erfolgt. Meine direkte
Kundgebung an einzelne ist wieder Mein Vorläufer.
17. Der geistige Wind bläst. Er kommt von Meinen Himmeln, um eure mit
allerlei schlechten Dünsten geschwängerte geistige Luft zu reinigen.
Dieser geistige Wind ist der Erwecker, Läuterer und Träger einer neuen
Ära, damit die Menschheit ihrem geistigen Ziele nähergebracht werde und
endlich begreife, was Religion im geistigen Sinne bedeutet, was es
heißt: Mich im Geist und in der Wahrheit anbeten.
18. Noch immer klammern sich die Menschen an Zeremonien und
Gebräuche, – ein Zeichen, daß sie selbst noch sehr materiell sind, nur
Materielles wünschen und verstehen.
19. Wenn die Menschen erst geistig gebildet sein werden, wenn sie
erkennen werden, daß Ich als Geist kein materielles Mittel brauche, um
von ihnen verstanden zu werden, wenn sie einsehen werden, was eigentlich
Geist und geistige Bildung heißt, dann werden sie begreifen, wie weit
sie vom rechten Weg abgekommen sind. Sie nötigten Mich zu dem Ausruf,
daß nur Ich als Sohn den Vater kenne und Er Mich. Dabei lehrte Ich einst
körperlich auf Erden, wie diese Erkenntnis auch euch Menschen, die ihr
doch alle einen Funken Meines göttlichen Ichs in eurem Herzen tragt,
welcher euch stets zur Vereinigung mit Mir antreibt, gegeben werden
könne.
20. Alle diese nun folgenden Erklärungen der im christlichen
Kirchenjahr festgesetzten Sonntagsevangelien werden euch zeigen, wie die
geistige Bildung der Menschheit stufenartig nach und nach vor sich
geht. Die Erklärungen werden euch zeigen, wie ihr selbst, schon längst
in diesem geistigen Strom mit fortgerissen, dem Weg der Aufklärung
entgegengeht, um das zu werden, wozu Ich euch geschaffen, erzogen und
bestimmt habe.
21. Wacht auf, Meine Kinder! Verschließt eure Ohren nicht den Worten
des Predigers in der Wüste, den Diktaten, die Ich euch in solcher Fülle
schicke! Wacht auf, und höret die himmlischen Harmonien, die von oben
herabgesandt werden, um euch zu beweisen, daß ihr – geistigen Ursprungs –
ein anderes Ziel und eine andere Aufgabe habt, als nur im Weltlichen zu
leben!
22. Es bläst der geistige Wind und durchzieht alle Herzen; und wenn
auch Tausende sein Tönen nicht verstehen, so seid doch ihr nicht taub,
die ihr seine Bewegung und seinen Zweck deuten könnt! Wacht auf, werft
das Weltliche weit hinter euch! Ihr seid Geister, Bewohner einer andern,
größeren, unendlichen, ewigen Welt! Vergeßt nicht, daß dieses
Erdenleben, das so flüchtig an euch vorübereilt, ein Probe, – ein
Prüfungsleben ist! Der größere, ja größte Teil harrt euer dort, wo ewig
keine Sonne mehr untergeht, wo die Nacht verbannt ist und nur Licht,
gleichbedeutend mit Liebe, als Erreger das ganze himmlische Gebiet
durchdringt.
23. Laßt euch raten, jene Worte des Evangeliums, die Ich einst vor
mehr als tausend Jahren ausgesprochen habe, in ihrem höchsten, geistigen
Sinne zu deuten und zu fassen! Sie enthalten Meine ganze Vaterliebe zu
Meinen Kindern.
24. Schon damals wollte Ich dem Judenvolk beweisen, welche Liebe ein
Schöpfer als Vater haben kann und auch haben muß; allein sie verstanden
Mich nicht. Und jetzt – leider muß Ich es bekennen -, jetzt verstehen
Mich die Menschen im ganzen noch weniger.
25. Einst rief Ich ihnen zu: “Mein Joch ist sanft”, – und heute sage
Ich es wieder: “Wie kann denn ein Joch der Liebe anders sein als sanft,
wie die Last leichter, als wenn Liebe sie tragen hilft?”
26. Begreift es wohl! Laßt die Welt, sie kann euch nur auf
Augenblicke ergötzen, nie aber auf die Länge befriedigen; denn mit dem
Besitz eines weltlichen Gutes hört die Hoffnung auf, es zu erlangen!
Nicht aber so im Geistigen!
27. Mein Reich ist unendlich. Der geistige Besitz hat keine Grenzen
und keine Schranken; daher ist das ewige Fortschreiten möglich. Mit
jeder Stufe ist ein größerer Genuß, mit jeder Stufe größere Kraft und
größere Fähigkeit zu erreichen.
28. Während im Weltlichen immer erst Verhältnisse und Umstände
zusammentreffen müssen, um ein Erwünschtes zu erreichen, bietet der
geistige Fortschritt immer Gelegenheit, vorwärtszugehen. Während im
Weltlichen das meiste von andern abhängt, ist im Geistigen euer Inneres
die größte Fundgrube, wo alle Schätze einer unendlichen, geistigen Welt
verborgen liegen. Es ist euer Inneres, worin Ich Mich als Vater, als
Sohn und als höchster Geist kundgeben kann, von welcher Kundgebung euer
Friede und eure Ruhe abhängt, und wodurch ihr sodann alle
Mißhelligkeiten des Lebens nicht als Strafen, sondern nur als weise und
nötige Prüfungen ansehen lernt und den Satz erst ganz begreifen werdet:
“Kommet her zu Mir, die ihr beladen seid!” Die Liebe, die ewige,
unendliche Liebe eines himmlischen Vaters hat euch diese Last zwar
aufgeladen, – aber Er hilft sie euch auch tragen.
29. Die Leiden und Mißgeschicke des menschlichen Lebens sind dann
keine Plagen, sondern nur Segnungen eines Vaters, der Seine Kinder nicht
zu weltlichen Herren, sondern zu geistigen Vorkämpfern Seiner
Liebelehre hier und einst in jenem Reich ohne Ende machen möchte.
30. Dies nehmt alles wohl zu Herzen! Das Endresultat wird euch gewiß
beweisen, was am Ende des Evangeliums (Matthäus 11, 30) steht: “Denn
Mein Joch ist sanft, und Meine Last ist leicht.” Amen.

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