Maria Valtorta (1897-1961) wurde
in Caserta in der Nähe von Neapel geboren. Sie war das
einzige Kind von Giuseppe Valtorta (1862-1935), einem Berufsoffizier der
italienischen Armee, der der Familie eine gehobene soziale Stellung sicherte,
und seiner Ehefrau Iside Fioranzi (1861-1943), die Französischlehrerin war.
Marias Mutter war streng, herrschsüchtig und selbstsüchtig. Sie hinderte ihre
Tochter an einer ihren Anlagen gemäßen Ausbildung und vereitelte eine geplante
Eheschließung. Alle Herzenswärme hingegen erhielt sie von ihrem Vater, der ihre
große Wißbegierde stillte, ihr die Schönheiten der Natur erschloß und mit dem
sie eine scharfe Beobachtungsgabe teilte. Die familiären Konflikte belasteten
ihn seelisch so sehr, daß er vorzeitig seinen Beruf aufgeben mußte.
Maria Valtorta hat ihr Leben Jesus Christus geschenkt. Sie wollte
Sühne leisten für all das was die Menschen Gott antun, durch
Missachtung, Verachtung, Verleumdung, Verrat und Undankbarkeit; durch
Missachtung der Gottes- und Nächstenliebe oder durch die totale Ignoranz
gegenüber von Gott, als den Schöpfer der Menschen, der Welt und des
Universums.
Über Jahrzente hat sie unglaublich gesühnt. Sie
hat bewusst gelitten wie es ein normaler Mensch nicht aushalten kann.
Das hat dazu geführt, dass Jesus sich herabgelassen hat und Maria
Valtorta vieles aus seinen letzten 3 Jahren (wie in einem Film) gezeigt
hat. - Daraus entstanden 12 Bücher die Maria Valtorta unter Anleitung
von Jesus geschrieben hat. Dieses Werk heisst "Der Gottmensch". Alle
Christen denen der "Durchblick" durch die Christliche Religion fehlt,
bekommen eine Weitsicht und ein Verständnis das viele Theologen,
Forscher und vor allem Bibelkritiker nicht haben.
"DIE VERKÜNDIGUNG"
Empfangen von Maria Valtorta auf dem Wege der
Inneren Schau.
Kap.23
Ich sehe folgendes: Maria als junges Mädchen, nach ihrem Aussehen
zu schließen, höchstens fünfzehn Jahre alt, in einer kleinen rechteckigen
Kammer, einem richtigen Jungmädchenzimmer.
Angelehnt an eine der beiden längeren Seiten befindet sich eine
Bettstatt: ein niedriges Bettgestell ohne Rand, bedeckt mit dicken Matten oder
Teppichen. Man könnte meinen, sie seien über einem Brett ausgebreitet oder über
ein Schilfrohrgeflecht. Denn sie liegen sehr flach und ohne Wölbung wie bei
unseren Betten.
An der anderen Längsseite steht ein Regal mit einer Öllampe,
Pergamentrollen und einer mit Sorgfalt zusammengelegten Näharbeit. Seitlich
davon, gegen die Tür hin, die geöffnet ist und in den Garten führt, aber von
einem vom Winde bewegten Vorhang verhängt ist, sitzt auf einem Schemel die
Jungfrau.
Sie spinnt weißen seidenweichen Flachs. Ihre kleinen Hände, nur um
ein wenig blasser als der Flachs, drehen flink die Spindel. Das jugendliche
Gesichtchen ist wunderschön, leicht geneigt und lächelt, als ob sie einen
lieblichen Gedanken hege oder verfolge.
Es ist still im Häuschen und im Garten. Es liegt tiefer Friede
sowohl auf dem Antlitz Marias als auch auf ihrer Umgebung. Friede und Ordnung.
Alles ist sauber und wohlgeordnet, und der Wohnraum ist bescheiden im Aussehen
und in der Einrichtung, fast kahl wie in eine Zelle, hat aber etwas Strenges
und Königliches an sich wegen der großen strahlenden Reinheit und der Sorgfalt,
mit der die Stoffe des Ruhelagers angeordnet sind, die Buchrollen, die Lampe, der
kleine Krug aus Bronze mit einem Strauß blühender Zweige, Zweige eines
Pfirsich- oder Birnbaums, ich weiß es nicht, aber sicher von einem Fruchtbaum
mit weißlichen, ins Rötliche übergehenden Blütenblättern.
Maria beginnt leise zu singen und erhebt dann leicht die Stimme.
Sie geht nicht zu lautem Gesang über. Aber es ist schon eine Stimme, die in der
Kammer vibriert und ein Schwingen der Seele wiedergibt. Ich verstehe die Worte
nicht, die sicher hebräisch sind. Aber da das Wort Jehova oft wiederkehrt, nehme
ich an, daß es irgendein heiliges Lied ist, vielleicht ein Psalm. Vielleicht
erinnert sich Maria an die Gesänge im Tempel. Es muß eine liebliche Erinnerung
sein, denn sie legt nun ihre Hände, die noch Spindel und Faden halten, in den
Schoß, erhebt das Haupt, und lehnt es rückwärts an die Wand. Während ein
sanftes Rot ihr Gesicht färbt, verliert sich der Blick in irgendeinem
lieblichen Gedanken; Tränen leuchten auf, ihre Augen jedoch laufen nicht über,
sondern werden nur größer. Zugleich strahlen diese Augen und lächeln einem
Gedanken zu, den sie wahrnehmen und der sie ablenkt von allem Sichtbaren. Das
Antlitz Marias, das aus dem weißen, höchst einfachen Kleid rosenrot
hervorwächst
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und umrahmt wird von Zöpfen, die sie wie eine Krone um das Haupt
gewunden hat, gleicht einer prächtigen Blume.
Der Gesang verwandelt sich in Gebet: «Höchster Herr und Gott,
zögere nicht weiterhin, deinen Diener zu senden, damit er den Frieden auf Erden
bringe! Erwecke die Zeit der Gnade und die Jungfrau, fruchtbar und rein für die
Ankunft deines Gesalbten! Vater, heiliger Vater, erlaube deiner Magd, ihr Leben
für diesen Zweck zu opfern! Gestatte mir, erst dann zu sterben, wenn ich dein
Licht und deine Gerechtigkeit auf Erden gesehen und erkannt habe, daß die
Erlösung sich vollzogen hat! O heiliger Vater, sende der Erde die Sehnsucht der
Propheten! Sende deiner Magd den Erlöser! Möge in der Stunde, in der mein Tag
sich dem Ende zuneigt, für mich deine Wohnstätte sich öffnen, wenn ihre Tore
schon geöffnet worden sind von deinem Gesalbten für alle, die auf dich gehofft
haben! Komm, komm, o Geist des Herrn! Komm zu deinen Gläubigen, die auf dich
warten! Komm, du Friedensfürst! ...»
Maria bleibt in diesem Verlangen versunken.
Der Vorhang flattert stärker, wie wenn ihn jemand, der dahinter
steht, rüttelte, um ihn zur Seite zu schieben.
Und sieh da: ein Licht, weiß wie mit Silber vermischter
Perlenglanz, erleuchtet die leicht gelblichen Wände, belebt die farbigen
Stoffe, vergeistigt das erhabene Gesicht Marias. In diesem Licht, und ohne daß
der Vorhang zurückgezogen wird vor dem Geheimnis, das sich nun vollzieht – im
Gegenteil, schon rührt er sich nicht mehr und hängt vielmehr steif an den
Türpfosten herab, als wäre er eine Wand, die das Innere vom Äußeren trennt –
verneigt sich tief der Erzengel.
Er muß notgedrungen das Aussehen einer menschlichen Gestalt
annehmen; aber es ist dennoch ein überirdisches. Aus welchem Fleisch ist diese
herrliche, leuchtende Gestalt wohl gebildet? Aus welcher Substanz hat Gott sie
materiell gestaltet, um sie den Sinnen der Jungfrau sichtbar zu machen? Nur
Gott ist der Herr dieses Stoffes und kann ihn in solch vollkommener Weise
benützen.
Da sind ein Gesicht, ein Körper, Augen, Mund, Haare und Hände wie
bei uns. Aber es handelt sich nicht um unsere undurchsichtige Materie. Es ist
ein Licht, das die Farbe des Fleisches, der Augen, der Haare und der Lippen
angenommen hat; ein Licht, das sich bewegt und lächelt, das schaut und spricht.
«Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade!»
Die Stimme klingt wie ein lieblicher Akkord, wie Perlen, die auf
kostbares Metall geworfen werden.
Maria fährt zusammen und schlägt die Augen nieder. Noch mehr
erschrickt sie, als sie dieses leuchtende Wesen in etwa einem Meter Entfernung
auf den Knien sieht, die Hände über der Brust gekreuzt und in den Augen den
Ausdruck unendlicher Ehrfurcht.
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Maria steht auf, schmiegt sich an die Wand und wird abweschselnd
bleich und rot. Ihr Antlitz verrät Schrecken und Bestürzung. Unbewußt preßt sie
die Hände auf die Brust und verbirgt sie unter den weiten Ärmeln; sie beugt
sich fast vor, als wolle sie ihren Körper so weit wie möglich verbergen. Ein
Ausdruck lieblicher Schamhaftigkeit.
«Nein, fürchte dich nicht! Der Herr ist mit dir! Du bist
gebenedeit unter den Frauen.»
Aber Maria fürchtet sich immer noch. Woher ist dieses
außergewöhnliche Wesen gekommen? Ist es ein Abgesandter Gottes oder einer des
Verführers?
«Nein, fürchte dich nicht, Maria!» wiederholt der Erzengel. «Ich
bin Gabriel, der Engel Gottes; mein Herr hat mich zu dir gesandt. Fürchte dich
nicht, denn du hast Gnade gefunden bei Gott! Und jetzt wirst du in deinem Schoß
empfangen; du wirst einen Sohn gebären und sollst ihm den Namen Jesus geben;
dieser wird groß sein und wird der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. (Und
er wird es wirklich sein.) Und Gott, der Herr, wird ihm den Thron Davids,
seines Vaters, geben, und er wird in Ewigkeit herrschen über das Haus Jakobs,
und seines Reiches wird kein Ende sein. Begreife, o heilige Jungfrau, Geliebte
des Herrn, seine gesegnete Tochter, berufen, die Mutter seines Sohnes zu
werden, den du gebären wirst!»
«Wie kann das geschehen, wenn ich keinen Mann anerkenne?
Vielleicht will der Herrgott das Opfer seiner Magd nicht annehmen und will
nicht, daß ich Jungfrau bleibe aus Liebe zu ihm?»
«Nicht vermittels eines Mannes wirst du Mutter sein, Maria; du
bist die ewige Jungfrau, die Heilige Gottes. Der Heilige Geist wird sich in
dich hinabsenken, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Daher
wird heilig genannt werden, der aus dir geboren wird und Sohn Gottes ist. Alles
vermag der Herr, unser Gott. Elisabeth, die Unfruchtbare, hat in ihrem Alter
einen Sohn empfangen, welcher der Prophet deines Sohnes sein wird, um seine
Wege zu bereiten. Der Herr hat von ihr die Schmach genommen, und ihr Andenken
wird unter den Völkern bleiben und verbunden sein mit deinem Namen, wie der
Name ihres Kindes mit dem deines Heiligen, und bis zum Ende der Jahrhunderte
werden die Völker euch glücklich preisen wegen der Gnade des Herrn, die über
euch kam und besonders über dich. Elisabeth ist nun im sechsten Monat und ihre
Last wird ihr zur Freude, und diese wird noch größer werden, wenn sie von
deiner Freude erfährt. Bei Gott ist nichts unmöglich, Maria, du Gnadenvolle.
Was soll ich meinem Herrn sagen? Laß dich in keiner Weise verwirren! Er wird
sich um dich sorgen, wenn du dich ihm anvertraust. Die Welt, der Himmel und der
Ewige warten auf dein Wort.»
Nun kreuzt Maria ihrerseits die Hände über der Brust, verbeugt
sich tief und spricht: «Siehe die Magd Gottes! Es geschehe mir nach seinem
Worte!»
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Der Engel erstrahlt voller Freude. Er betet an, denn sicherlich
sieht er den Geist Gottes sich niederlassen über die Jungfrau, die sich in
Ergebung beugt; dann verschwindet er, ohne den Vorhang zu bewegen, den er über
das heilige Geheimnis gebreitet läßt.
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